LOADING

Type to search

Grüne Gründer

Boyan Slat – der Plastikjäger

Share

Boyan Slat ist ein beeindruckender junger Mann, ein Idealist mit viel Energie und einem starken Willen. Bereits mit 16 Jahren hatte er die Idee mit Hilfe einer Art Meeres-Staubsauger den Plastikmüll aus den Ozeanen zu fischen. Das Ocean Cleanup-Projekt war geboren. Nach der Schule begann der Umweltaktivist Luft- und Raumfahrttechnik zu studieren.

©The Ocean Cleanup

Das Studium hängte er jedoch 2013 zugunsten seiner Idee an den Nagel. Heute, acht Jahre später, ist diese Idee Wirklichkeit geworden. Nach einigen Testläufen in der Nordsee hat der Prototyp „System 001“ am 17. Oktober seine Arbeit im Nordpazifik aufgenommen.

Anfang September 2018 stach der Meeresstaubsauber „System 001“ in See. Von San Francisco aus ging es 500 Kilometer auf den Pazifik hinaus. Ziel war der „Great Pacific Garbage Patch“. Auf halbem Weg zwischen Kalifornien und Hawaii liegt der größte bekannte Müllstrudel, der in unseren Weltmeeren schwimmt. Sein Umfang ist fünfmal so groß, wie die Fläche Deutschlands und soll 1,8 Billionen Plastikteile mit einem Gewicht von rund 100.000 Tonnen enthalten.

Das Ziel von „The Ocean Cleanup“ ist es, innerhalb der nächsten fünf Jahre die Hälfte des im Pazifik schwimmenden Plastikmülls einzusammeln. Pro Jahr strebt das Projekt eine „Ausbeute“ von etwa 14.000 Tonnen an. Die Kosten dafür liegen bei 300 Millionen Euro. Bisher sind 31 Millionen zusammengekommen. Überwiegend durch Crowdfunding, aber auch einige große Geldgeber aus dem Sillicon Valley haben in das Ocean Cleanup-Projekt investiert.

©The Ocean Cleanup

Wie funktioniert der Meeres-Staubsauger?

Das „System 001“ ist ein passives System, das mit der Natur zusammenarbeitet. Wind, Wellen und die Strömung leisten dabei die aktive Arbeit. Zwei gigantische Röhren bilden eine 600 Meter lange Barriere, die den Plastikmüll einsammeln soll. Diese röhrenförmigen „Arme“ schwimmen auf der Wasseroberfläche. An ihnen ist eine Art Netz befestigt, das in der Mitte drei Meter in die Tiefe ragt, an den Seiten jedoch kürzer ist. Dadurch bildet sich mit Hilfe von Wind und Strömung eine U-förmige künstliche Bucht, in der sich der Plastikmüll sammelt. Um ein Abtreiben zu verhindern, wird die die Konstruktion von einem Anker an Ort und Stelle gehalten.

©The Ocean Cleanup

Das System verfügt über 50 Sensoren sowie Kameras, Funk- und GPS-Module, mit deren Hilfe es weitestgehend autonom arbeiten kann. Sie informieren auch die Zentrale in San Francisco darüber, wann sich genügend Plastik angesammelt hat, um per Schiff abtransportiert und recycelt zu werden. Für Fische und andere Meerestiere soll das System ungefährlich sein, sie können unter der Konstruktion hindurch schwimmen.

Bewusstsein schaffen

Neben dem Ziel, das Plastik aus den Meeren zu fischen verfolgt Boyan Slat einen weiteren Plan. Indem er das eingesammelt Plastik zeigt, wird das Problem der Verschmutzung der Weltmeere sichtbar. Ein abstraktes Problem am anderen Ende der Welt wird plötzlich real und rückt in unsere unmittelbare Nähe. Seine Hoffnung ist dadurch unser Problembewusstsein zu schärfen.

©The Ocean Cleanup

Auch der Schutz von Schildkröten, Walen, Haien, anderen Meeresbewohnern und Seevögeln ist ein Ansporn für Boyan Slat und sein Team. Denn pro Jahr sterben bis zu 100.000 Meeressäuger und etwa eine Million Seevögel an den Folgen der Plastikverschmutzung der Weltmeere. Sie verfangen sich in Fischernetzen, ertrinken, oder verhungern mit vollen Mägen, die von Plastik verstopft sind.

Gegen Mikroplastik ist jedoch auch der Meeresstaubsauger chancenlos. Umso wichtiger ist es, die größeren Plastikteile aus dem Meer zu fischen, bevor sie sich in immer kleinere Teile zersetzen und letztendlich in unserer Nahrungskette auftauchen.

San Francisco, Kalifornien, 8. September  2018 – © The Ocean Cleanup

Boyan ist sich treu geblieben, hat seine Mitmenschen inspiriert und motoviert an ihn und sein Projekt zu glauben. Der 24-jährige beschäftigt mittlerweile 80 Mitarbeiter und hat mehr als 30 Millionen Euro an Spenden eingesammelt. Dieses Geld bekommt er allein für das Versprechen den Ozean vom Plastik befreien zu können. Ob er dieses Versprechen halten kann, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.

Tags:
Bitte Anmelden um zu kommentieren
  Abonnieren  
Benachrichtige mich bei