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Recycling

10 Fragen zum Recycling

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Glühbirnen ins Altglas, Kassenbons in den Papiercontainer und Kleiderbügel in den gelben Sack? Die richtige Mülltrennung sorgt auch fast 20 Jahre nach Einführung des dualen Systems noch häufig für Stirnrunzeln. Die einen übertreiben, die anderen verweigern sich und die große Mehrheit trennt nach bestem Wissen und Gewissen. Dabei ist die richtige Mülltrennung mit etwas gesundem Menschenverstand, gutem Willen und einigen einfachen Regeln kein Hexenwerk.

1. Was muss ich bei der Mülltrennung beachten?
Unsere Abfälle bestehen zu einem großen Teil aus wertvollen Rohstoffen. Damit diese wiederverwertet werden können ist es wichtig, den Abfall gut zu sortieren. Papier etwa muss trocken bleiben, Glas nach Farben sortiert und Kunststoffe oder Aluminium haben im Restmüll nichts zu suchen, sondern gehören in den Gelben Sack bzw. die Wertstofftonne. Dabei müssen etwa Joghurtbecher nicht ausgewaschen werden, aber das Abtrennen des Aludeckelt hilft später bei der Sortierung nach Materialien. Auch bei Aufschnitt- oder Käseverpackungen ist es sinnvoll, die Abdeckfolie von der Schale zu trennen. Denn die Folie besteht oft aus einem Kunststoffverbund, der sich nicht recyceln lässt, die Schale jedoch aus Polyethylenterephthalat (PET), das gut wiederverwertet werden kann. Generell gilt: Je sortenreiner der Abfall bei der Stadtreinigung ankommt, desto effektiver können die Stoffe recycelt werden.

2. Ist Mehrweg effizienter als Einweg?
Die Antwort lautet eindeutig ja! Denn PET- und Glasmehrwegflaschen werden im Durchschnitt 50 Mal neu befüllt. Dabei haben sie bereits nach zehn Befüllungen 90% der eingesetzten Ressourcen eingespart. Mit Blick auf die CO2-Bilanz stellt sich die Lage folgendermaßen dar:

PET-Einwegflasche:               139,0 kg CO2 / 1000 Liter abgefüllte Getränke

Glas-Mehrwegflasche:          84,0 kg CO2 / 1000 Liter abgefüllte Getränke

PET-Mehrwegflasche:            68,7 kg CO2 / 1000 Liter abgefüllte Getränke

Der Gesetzgeber fordert in Deutschland eine Mehrwegquote von 80%. Würden wir sie einhalten, könnten wir jährlich 400.000 Tonnen Kunststoffabfall und 1,5 Millionen Tonnen CO2 einsparen. Doch von dieser Quote sind wir weit entfernt.

Bei Erfrischungsgetränken ist der Wert mit knapp über 20% am niedrigsten, gefolgt von Mineralwasser mit 30%. Allein beim Bier können die Erwartungen mit 82% übertroffen werden (Quelle: Deutsche Umwelthilfe, Stand 2016).

Rund 50% der Verbraucher können Mehrweg- nicht von Einwegflaschen unterscheiden. Das neue Verpackungsgesetz reagiert jetzt darauf. Ab Januar 2019 muss der Einzelhandel gut sichtbare Schilder an den Regalen anbringen, damit der Verbraucher Einweg- von Mehrwegflaschen leichter unterscheiden kann.

© Hanseatic Help

3. Wohin mit alten Textilien?

Das der Altkleidercontainer nicht die beste Wahl ist, wissen die meisten mittlerweile. Denn statt bei Bedürftigen, landen unsere abgelegten Klamotten je nach Qualität in Secondhand-Läden oder auf Kleidermärkten in Afrika oder Südamerika, wo sie die lokale Textilindustrie schwächen. Minderwertige Textilien schließlich werden zu Putzlappen und Dämmmaterial weiterverarbeitet.

Gute Alternativen sind:

  • Lokale Kleiderkammern wie etwa Hanseatic Help in Hamburg, die Kleiderkammer der Berliner Stadtmission, die Deutsche Kleiderhilfe in Köln oder die Kleiderkammern der Caritasverbände, der Arbeiterwohlfahrt oder des Deutschen Roten Kreuzes
  • Oxfam verkauft in seinen Filialen gut erhaltene Kleiderspenden. Die Gewinne fließen in die entwicklungspolitische Arbeit des Oxfam Deutschland e.V.
  • Paketspendensind eine weitere Möglichkeit, wenn man keine Lösung vor Ort findet. Es gibt verschiedene Organisationen, die Altkleider als Paketspenden einsammeln. Ein Beispiel ist die Deutsche Kleiderstiftung, die mit Kooperationspartnern in Deutschland, Europa und Übersee zusammenarbeitet.
  • Straßensammlungen sind eine einfache Möglichkeit ausrangierte Kleidung unkompliziert loszuwerden. Achtet dabei aber unbedingt auf das Label FairWertung. Das Siegel wird vom Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen herausgegeben und garantiert eine sozial verantwortliche Sammlung von Altkleidern. Organisationen die unter diesem Label Altkleider sammeln, arbeiten gemeinnützig und haben keine eigenwirtschaftlichen Ziele. Die gesammelten Textilien oder die Erträge aus deren Verkauf kommen sozialen, diakonischen oder karitativen Zwecken zu gute.

4. Was gehört in den Gelben Sack bzw. die Wertstoff-Tonne?

Der Gelbe Sack und auch die gelbe Wertstofftonne sind Teil des „Dualen Systems“. Die Industrie und der Handel müssen in Deutschland eine Lizenzgebühr für die von ihnen verwendeten Verpackungen an eines von zehn Unternehmen des „Dualen Systems“ entrichten. Das bekannteste Unternehmen ist der Grüne Punkt, andere sind Veolia, Landbell oder Zentek. Finanziert durch die Lizenzgebühren kümmern sich diese Firmen um die Entsorgung und das Recycling der Verpackungen. Somit ist die Entsorgung für den Verbraucher kostenfrei, bzw. bereits im Produktpreis enthalten.

Dementsprechend gehören in den Gelben Sack oder die Gelbe Tonne sämtliche Verpackungen, die wir von unseren Einkäufen mit nach Hause bringen. Ausgenommen davon sind Papier, Pappe und Glas. In einigen Kommunen, etwa in Hamburg, gibt es die sogenannte Wertstofftonne. Hierin dürfen neben dem anfallenden Verpackungsmüll auch „stoffgleiche Nichtverpackungen“ aus Kunststoffen, Weißblech, Aluminium oder Verbundstoffen (z.B. Tetra Paks) entsorgt werden. Genauere Informationen bieten die Internetseiten der lokalen Müllentsorger.

 

5. Wird jeder Gelbe Sack recycelt?

© Pixabay

Im Januar 2019 tritt die neue Verpackungsverordnung in Kraft. Sie besagt, dass spätestens ab dem Jahr 2022 rund 90 Prozent aller Verpackungen verwertet werden müssen. „Verwertet“ meint in diesem Fall sowohl das Recycling als auch die sogenannte thermische Verwertung – schlicht die Verbrennung. Die echte Recyclingquote liegt nur bei 63 Prozent. Und bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Denn heute werden gerade einmal 36 Prozent des Verpackungsmülls (vorwiegend Einweg PET-Flaschen) zu neuen Rohstoffen verarbeitet. Und Downcycling ist hier leider die Regel. Aus Kunststoff-Folien werden in den seltensten Fällen neue Verpackungen. Meist werden die Recyclate zu Parkbänken, Bauzäunen oder Mülltonnen verarbeitet. PET-Flaschen bilden hier eine Ausnahme: Rund ein Viertel wird zu neuen Flaschen verarbeitet.

6. Gehört Bio-Plastik in den Biomüll?

© Pixabay

Kompostierbare Plastiktüten oder -verpackungen, etwa aus Maisstärke, sind auf dem Vormarsch. In den Gemüseabteilungen oder an den Kassen der Supermärkte werden sie als die Lösung für unser Plastikproblem angepriesen. Ein Trugschluss.

Denn laut EU-Norm dürfen kompostierbare Plastiktüten einen Anteil Erdöl enthalten. Auch sind sie in den Kompostieranlagen nicht von herkömmlichen Plastiktüten zu unterscheiden. Und am wichtigsten: selbst wenn sie zu 100 Prozent biologisch abbaubar sind, schaffen herkömmliche Kompostieranlagen dies nicht in der vorgegebenen Zeit. Die Folge: die Tüten müssen aussortiert werden und landen schließlich doch in der Verbrennungsanlage. Wer also biologisch abbaubare Mülltüten für seinen Biomüll verwendet gibt nur unnötig Geld aus und macht den Kompostern mehr Arbeit.

7. Plastik oder Papier – welche Tüte ist besser?

© Anna Damm

2,4 Milliarden Plastiktüten haben wir Deutschen im vergangenen Jahr verbraucht. Das ist rund ein Drittel weniger als noch in 2016. Immer mehr Menschen greifen an der Supermarktkasse zur Papiertüte. Dabei ist sie nicht zwingend die ökologischere Alternative. Für die Produktion von Papiertüten werden große Mengen an Energie, Rohstoffen und auch Chemikalien gebraucht. Um reißfest zu sein, müssen Papiertüten viel dicker sein als Plastiktüten. So wird mehr Material benötigt und das Endprodukt ist schwerer, was sich auch beim Transport negativ auf die Ökobilanz auswirkt. Laut Deutscher Umwelthilfe muss eine Papiertüte drei Mal verwendet werden, bis sie ökologischer ist als eine Plastiktüte. Ein Jutebeutel braucht sogar 30 Verwendungen, um die Ökobilanz einer Plastiktüte zu übertreffen.

8. Gehören Kassenbons ins Altpapier?

© Pixabay

Kassenzettel, Parkscheine, Bahntickets oder Kontoauszüge werden heutzutage auf Thermopapier gedruckt. Dabei wird der Druck ohne Farbe, allein durch Hitzeeinwirkung auf das Papier aufgebracht. Als Entwicklungssubstanz wird dabei häufig Bisphenol A (BPA) verwendet. Bisphenol A hat eine hormonähnliche Wirkung und kann schon in geringen Dosen die Entwicklung der Organe, die Fortpflanzung und die Stimmung beeinflussen. Wird das beschichtete Thermopapier also im Altpapier entsorgt, kann es beispielsweise zu Recycling-Toilettenpapier verarbeitet werden und landet schließlich in unserem Abwasser. Die richtige Entsorgung für Kassenbons, Tickets und anderes Thermopapier läuft über die Restmülltonne. Denn die Verbrennung ist in diesem Fall der beste Weg.

9. Wohin mit Glühbirnen?

© Pixabay

Die gute alte Glühbirne besteht aus Glas und hat doch nichts im Glascontainer zu suchen. Denn Verpackungsglas hat einen anderen Schmelzpunkt als Leuchtmittel. Hier ist also der Restmüll der richtige Entsorgungsort. Gleiches gilt für Halogenleuchten. Bei Energiesparlampen und LEDs sieht es aber wieder ganz anders aus. Erstere enthalten verschiedene Metalle sowie geringe Mengen Quecksilber und müssen beim Wertstoffhof oder in entsprechenden Sammelstellen (häufig in Bau- oder Supermärkten) abgegeben werden. LEDs enthalten zwar kein Quecksilber, werden aufgrund ihrer wertvollen Bauteile als Elektroaltgerät eingestuft und gehören deshalb ebenfalls in die Sammelstelle oder auf den Wertstoffhof. Das illegale Entsorgen von Energiesparlampen kann mit einem Bußgeld von bis zu 250 Euro (in Hamburg) geahndet werden.

10. Könnten Maschinen nicht besser sortieren?

Prinzipiell könnten Maschinen sehr viel genauer sortieren als wir. Doch würden wir allen Müll in eine Tonne werfen, würden Essensabfälle den wertvollen Verpackungsmüll verunreinigen, sodass er hinterher nicht mehr hochwertig recycelt werden könnte. Abfallwissenschaftler sehen den Gelben Sack trotzdem kritisch und forschen an Alternativen. Es gab beispielsweise in Trier ein Pilotprojekt, bei dem der getrennt gelieferte Müll wieder zusammengekippt wurde. Die enthaltenen Bakterien ließen den Müll trocknen, so dass er hinterher einwandfrei von speziell angefertigten Maschinen sortiert werden konnte. Auch in Kassel gab es einen Versuch mit lediglich zwei Tonnen: eine für feuchten, eine für trockenen Müll. Auch hier wurde der trockene Müll hinterher maschinell sortiert. Dauerhaft durchsetzen ließen sich diese Projekte bisher jedoch nicht.

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